Das alte, ehrwürdige Haus Hauptstraße 244, in der Nähe des Karlstors und gegenüber dem Herrenmühlenkomplex, steht unter Denkmalschutz. Gebaut wurde es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts; Eigentümer war der Weinwirt Johann Georg Weber. Seit 1978 ist es im Besitz des Hausvereins des Corps Thuringia. Damals erhielt das Gebäude – auf Forderung und mit finanzieller Unterstützung des Landesamtes für Denkmalschutz – den ursprünglichen, auffallenden rotbraunen Anstrich, während das Innere total renoviert und modernisiert wurde.
Heim einer Korporation wurde das Haus im Jahre 1931. Nach einer wechselvollen Geschichte – während der Nazizeit war es ein Kameradschaftshaus – ging es 1951 in den Besitz des Verbandes alter Rhein-Neckarländer e. V. über. Als sich 1976 das Corps Rheno-Nicaria auf seine Heimathochschule Mannheim konzentrierte, übernahm das von Aktiven des Corps Rheno-Nicaria und Alten Herren der seit 1908 in Heidelberg bestehender Sängerschaft Thuringia im Jahr 1976 gegründete Corps Thuringia das Haus zunächst zur Miete. 1978 wurde es vom Hausverein Thuringia e. V. gekauft und der völligen Renovierung unterzogen.
Über einen repräsentativen Aufgang mit weißen Marmorstufen gelangt der Besucher durch eine Schmiedeeiserne Gittertür ins erste Geschoß, in dem sich der nobel getäfelte, mit warmen Holzplaneelen und einer Holzbalkendecke versehene Kneipsaal, das anheimelnde „Jagdzimmer“ und die als Conventszimmer dienende Bibliothek befinden. Ober- und Dachgeschoß mit ihren elf Einzelzimmern sind als Studentenwohnheim eingerichtet. Besondere Aufmerksamkeit dürften die bunten Wappenfenster des Kneipsaals finden: zur Straßenseite hin die Wappen der Universität und der Stadt Heidelberg, an der Giebelseite in den ebenfalls bleiverglasten Fenstern die Großwappen des Corps Thuringia und des Corps Rheno-Nicaria, an den übrigen Fenstern kleinere Wappen anderer Verbindungen. Hinter dem Haus nach Süden erstreckt sich ein großes, leicht ansteigendes Gartengelände mit Rasen, Blumenrabatten und alten Bäumen, das im Süden vom sogenannten Karmeliter-Wäldchen (am Schloßberg) begrenzt wird und im Norden – eine Seltenheit an Heidelbergs Hauptstraße – bis an die Straßenfront reicht. Mittelpunkt des Gartens ist eine Sonnenuhr aus dem Jahre 1559, die 1980 beim Totalverputz des hinteren Gartenteils gefunden wurde.
(Aus: Gerhard Berger und Detlev Aurand, „... Weiland Bursch zu Heidelberg...“, Heidelberger Verlagsanstalt u. Druckerei, 1986, Seite: 293)