Für einen kurzen Überblick wäre es müßig die Geschichte des Fechtens von Antike und Mittelalter bis in die Neuzeit zu verfolgen. Es sei nur gesagt, daß Studenten neben anderen Gruppen Waffen mit sich trugen, hauptsächlich zum Schutz vor Wegelagerern. Das Fechten im Sinne einer Fechtkunst entwickelte sich ab dem 16. Jahrhundert. Waren Händel zuvor unmittelbar nach der gefallenen Beleidigung ausgetragen worden setzten sich nun, aus Frankreich und Italien kommend, Duellregeln durch. Diese betrafen etwa die Gleichwertigkeit der Waffen oder die Stellung des Sekundanten. Der Degen setzte sich als Waffe durch. Diesen trugen zunächst nur adlige Studenten. Da mit der Promotion aber auch oftmals der persönliche Adel verbunden war, nahmen auch andere Studenten in Vorwegnahme dieser Würde das Recht zum Degentragen in Anspruch – auch wenn die Doktorwürde in den wenigsten Fällen erreicht wurde.

Prägend für die Entwicklung des Fechtens war lange Zeit die Fechtlehrerdynastie Kreußler; der erste von ihnen ließ sich 1620 in Jena nieder, der letzte starb 1819 ebendort. Sie brachte System in das Fechten und lehrte anstelle des bisherigen „Hiebfechtens“ unter italienischen Einfluß das „Stoßfechten“. Beim Stoß erreichte man das Ziel in gerader Linie, beim Hieb war das nur im Bogen möglich. Bei gleichem Kraftaufwand war der Stoß schneller und gezielter als der Hieb. Auch die „Mensur“ (lat.: mensura=Maß), d. h. das Abmessen des Kampfplatzes, wurde eingeführt. Das Stoßfechten führte zu schweren Verletzungen, oftmals mit tödlichem Ausgang. Trotz Strafen und Duellverboten gelang es nicht das Fechten einzudämmen.

Zur Entschärfung der Situation wurde das Hiebfechten wiedereingeführt (Den letzten Toten bei einem Stoßduell gab es 1847 in München). Mit Einführung des Hiebkomments (franz.: comment=wie) änderten sich auch die Waffen. Anstelle des Degens trat der Korb-, andernorts der Glockenschläger.

Für schlagende Verbindungen tritt der Wandel Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Die Mensur ist nun nicht mehr ehrenreinigend, d.h. sie verliert ihren Duellcharakter. Aus der Forderung wird die Verabredungs-, schließlich die Bestimmungs- bzw. Pflichtmensur. In dieser Form wurde die Mensur sogar vom Bundesgerichtshof in Karlsruhe abgesegnet. Dieser verkündete 1953 die Mensur verstoße nicht gegen die guten Sitten.

Beim heutigen studentischen Fechten ist der Paukant (derjenige, der ficht) durch Brille, Halskrause, Stulp und Kettenhemd hinreichend geschützt, so daß nichts Schlimmes passieren kann. Auch der Paukkomment, das Regelwerk, nach dem gefochten wird, ist dergestalt, Verletzungen zu verhindern. Ein gewisses Restrisiko bleibt. Durch Überwindung dieser letzten Schwelle zeigt man seine Bereitschaft, für sein Corps einzutreten.

Was wäre das Leben ohne ein wenig Adrenalin?

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