100 Jahre Thuringia Heidelberg

Ein kurzer historischer Überblick

„Thuringia ist gegründet, gebe Gott, dass sie sich für alle Zeiten lebensfähig erweist!“ Mit diesen Worten schloss im Jahre 1908 Kurt Gerlach seine Gründungsrede auf dem Publikationsfest der damaligen Sängerschaft Thuringia im „Prinz Friedrich“ in der Kettengasse in Heidelberg. Er konnte noch nicht wissen, welche Prüfungen der jungen Korporation noch bevorstehen sollten. Am 17. Juni 1908 riefen der Greifswälder Guilelme Dr. Henry Bußmann und die beiden Münchener Wittelsbacher Kurt Gerlach und Johannes Uderstadt mit fünf Gleichgesinnten Thuringia ins Leben. Der erste Weltkrieg traf die junge Korporation besonders hart – von 55 Thüringern fielen elf. Dennoch gelang verlorenem Krieg und Inflation zum Trotz unter Otto „Arras“ Schmidt der Wiederaufbau. Im SS 1926 gab es schon 22 Aktive. Die neue Begeisterung währte indes nur kurz: 1935 folgte gezwungenermaßen der Beitritt in die „Kameradschaft Friedrich Friesen“ im Rahmen des NS-Studentenbundes, gemeinsam mit der Turnerschaft Ghibellinia und dem Corps Rheno-Nicaria, das nach der Schließung der Handelshochschule Mannheim im WS 1933/34 nach Heidelberg übersiedelt war. Dies sollte nicht die einzige Gemeinsamkeit mit Rheno-Nicaria bleiben. Die Jahre nach dem Krieg waren unterschiedlich erfolgreich: den starken Aktivenzahlen in den 50ern und frühen 60ern folgen schwache Jahrgänge, bis Thuringia 1974 supendierte. Erneut verquickte sich das Schicksal mit dem Corps Rheno-Nicaria, das mehr als 20 Jahre lang zwei Aktivenbetriebe in Mannheim und Heidelberg parallel geführt hatte, aber Ende der 60er gänzlich nach Mannheim zurück wollte. Im Sommer 1976 kam es zu Gesprächen zwischen Angehörigen des Corps Rheno-Nicaria, die in Heidelberg bleiben wollten, und der Altherrenschaft der Thuringia. Das Ergebnis war eine „Dokumentation zur Gründung des Corps Thuringia vom 17. 8. 1976“. Thuringia wurde am 9. Oktober 1976 ein Corps, das zunächst keinem Verband angehörte. 1995 folgte die Aufnahme in den WSC, im WS 1999/2000 ein Freundschaftsverhältnis mit Corps Alemannia Karlsruhe.

100. Stiftungfest

Am Donnerstag, den 19. Juni begann das Stiftungsfest auf dem frisch renovierten Corpshaus und im Garten mit dem Begrüßungsabend, während die Nation um den Einzug der Nationalelf ins Halbfinale der Fußballeuropameisterschaft bangte. Wie bei einem großen Stiftungsfest zu erwarten, fanden sich zahlreiche Gäste, größtenteils in charmanter Begleitung, ein. Auch Vertreter befreundeter Corps und anderer befreundeter Korporationen fanden ihren Weg auf das Thüringerhaus. Einige Corpsbrüder kamen aus der Schweiz, Österreich, England, Schweden und den USA angereist. Während manche den neu eingerichteten Aufenthaltsraum einweihten, verschlug der milde Sommerabend andere in den Garten. Mit Käse und Wein war für das leibliche Wohl hinreichend gesorgt und die gute Stimmung wurde nach dem Bekanntwerden des 2:3 Siegs über Portugal noch besser.

Der Freitag stand im Zeichen des Festkommerses. Für die Damen war als Parallelprogramm ein Besuch des Klosters Amorbach mit anschließendem Orgelkonzert angeboten worden. Nach dem obligatorischen Gruppenbild im Schlosshof zogen die Chargierten unter Anleitung von AH Dirk Anlauf in den Fasskeller des Heidelberger Schlosses ein, der mit 150 Thüringern und Gästen gut besetzt war. Als Festredner für den Kommers konnte der Vorsitzende des WVAC, Dipl.-Ing. Frieder C. Löhrer Saxo-Montaniae, Saxo-Borussiae Freiberg, gewonnen werden. Löhrer lobte besonders das Zusammenwachsen zwischen Heidelberger Thüringern und Karlsruher Alemannen. Hieran könne man erkennen, wie fruchtbar die Zusammenarbeit sei, die von zwei Corps ausgehe, von denen das eine an einer geisteswissenschaftlich geprägten, das andere an einer technischen Universität beheimatet sei. Ehrengast des Kommerses war Prof. Dr. Bernhard Eitel, Rektor der Universität Heidelberg. Eitel überbrachte die Grußworte der Universität und erläuterte den Anwesenden die Exzellenzinitiative der Ruperto-Carola. Die Ruprecht-Karls-Universität erhielte für ihr zukunftsweisendes Konzept bis zum Jahr 2012 zusätzliche finanzielle Mittel zur Förderung der Forschung und des wissenschaftlichen Nachwuchses um ihren Weg von der klassischen "universitas" zur Volluniversität der Zukunft entscheidend voranzubringen. Außerdem wünsche sich Eitel, selbst Alter Herr bei KDStV Normannia Karlsruhe, wieder ein innigeres Miteinander der Heidelberger Korporationen mit der Universität. WSC-Vorortsprecher Wolf-Dieter Perlitz Obotritiae überbrachte die Glückwünsche des WSC und des SC zu Darmstadt. Der Altherrenvorsitzende Ingo Nawrath zog Bilanz über die Arbeit der letzten Jahre, besonders die Renovierung des Hauses. Man dürfe aber nicht müßig werden, schließlich wolle man auch noch künftig große Stiftungsfeste feiern. Schließlich zog AH Hans Tesarz, der noch einige der Gründungsburschen kannte, in einer sehr emotionalen Rede seine Bilanz. Er dankte explizit Rheno-Nicaria für ihre Hilfe bei der Stiftung des Corps Thuringia, auch wenn das Mitaneinader gelegentlich problematisch gewesen sei.

Der Festball fand am Samstag in der Heidelberger Stadthalle statt. AH Dr. Arndt Eversberg führte mit Frack und Zylinder schneidig durch den Abend. Die Casino-Band Baden-Baden spielte zum Tanz. Martina Hartleb (Sopran) und Benedikt Nawrath (Tenor) bereicherten den Abend mit musikalischen Einlagen.
Am Sonntag fand das Stiftungsfest bei gutem Wetter seinen Abschluss im Garten des Corpshauses. Mit Musik, Grillgut und kühlen Getränken rundete dieses fröhliche Familienfest ein rundum gelungenes Jubiläum ab.

Dirk Anlauf Thuringiae

Es gibt auch eine Galerie mit einigen Bildern vom Fest.

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